Unbehandelte Äpfel aus Agroforstkultur

Posted by on Okt 28, 2016 in Wilhelminenhof | No Comments

 

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Unbehandelte Äpfel aus Agroforstkultur

In diesem Herbst bieten wir die ersten Äpfel (Elstar) vollkommen unbehandelt und damit ‚Besser als Bio‘ an.

Nachdem in den letzten Jahren bei den klassischen Schaderregern ständig mehr Resistenzen gegen chemische Pflanzenschutzmittel sichtbar wurden – wir dem Problem aber nicht mit noch mehr Chemie begegnen wollten – haben wir seit 2015 in einer ca. 1 ha großen Apfelanlage den Pflanzenschutz komplett eingestellt und unsere Schafe zum weiden reingeschickt.

Mit sehr interessanten Ergebnissen: Wir haben keinen Schorfpilz mehr in der Anlage, außerdem sind Apfelwickler-, Blattlaus- und Frostspannerschäden zu vernachlässigen.

Nun sehen die Äpfel etwa durch ‚Wasserflecken‘ etwas rustikaler, aber eben natürlich schön aus.

Auf einem weiteren Hektar haben wir ausschließlich Pflanzenschutzmittel aus dem ökologischen Anbau verwendet: Auch hier sind gute resistenzbrechende Effekte erkennbar, aber der Erfolg in Kosten und Nutzen gerechnet kann als geringer angesehen werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie im Discounter der Bioapfel eigentlich genauso gut aussehen kann, wie der konventionell angebaute Apfel?

Wir haben jetzt alle drei Varianten in Kühl- und Langzeitlagern eingelagert – Unbehandelt, ‚Bio‘-behandelt und konventionell behandelt (wobei wir auch hier auf bestimmte Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen komplett verzichten!) – und werden sehen, wie sich die Lagerfähigkeit der einzelnen Sorten mit und ohne Behandlung äußert. Wir sind gespannt.

In sich selbst überlassenen Arealen stellt sich sehr schnell ein biologisches Gleichgewicht wieder ein, je größer die Biodiversität, desto geringer ist der Schaderregerdruck!

Das sehen wir an weiteren Beispielen:

  • Hühner im Strauchbeerenobst u.a. gegen die Kirschessigfliege
  • Schafe/Kühe im Steinobst (gibt größere Früchte)
  • Schafe nach der Ernte auf abgeerntete Erdbeerbestände**

Mit dem Einsatz von Nutztieren stellen sich augenblicklich viele weitere regulierende Vektoren ein.

Wir werden in einem nächsten Schritt Sorten, Unterlagen und Pflanzsysteme so anpassen, dass im kompletten Obstbau viehbasierte Agroforstsysteme mit sich gegenseitig fördernden Pflanzen-Tiergesellschaften entstehen. Als Arche-Hof sind bei uns die alten Rassen Grundlage des Viehbestandes.

Für uns lässt sich in Agroforstsystemen traditionell überlieferte Landwirtschaft mit Obstbau und alten Nutztierrassen sehr gut ausleben und wir denken, dass das auch gerade für kleinere Betriebe eine echte Alternative sein könnte. Daher bieten wir ab 2017 bei entsprechender Nachfrage Seminare für diese Form der Landwirtschaft an.

Übrigens: Wir sehen diesen, unseren Sonderweg von Agroforstsystemen, also die Kombination von Tierhaltung, Obst (Baum-und Strauchobst)- und Gemüseanbau, Ackerbau und Weidewirtschaft sowie Forstwirtschaft als unser geistiges Eigentum an.

** Interessanterweise trafen unsere Schafe ähnliche Entscheidungen in der geschmacklichen Sortenwahl bei den Erdbeeren, so wurden die Blätter der alten Sorte ‚Mieze Schindler‘ und ‚Kent‘ bevorzugt gefressen, die Blätter der neueren Sorte ‚Lambada‘ dagegen verschmäht; wir haben uns vorher beim Geschmack der Früchte genauso entschieden.